Das Darmstädter Publikum feiert Giovanni Bellucci in der Orangerie

Darmstad. Der Pianist Giovanni Bellucci gehört zu den weltbesten Liszt-Interpreten, ist in Deutschland aber noc hein Geheimtipp. Auf Einladung der Chopin-Gesellschaft gab der Virtuose am Samstag einen Klavierabend in Darmstadt.

Zu den Gewohnheiten des Jahrhundert-Pianisten Franz Liszt zählte es, bei seinen legendären Auftritten den Blick shräg ins Publikum zu richten, was enorme Wirkung auf die Zuschauer ausübte. Auch Giovanni Bellucci suchte in der nahezu ausverkauftenDarmstädter Orangerie den Blickkontakt zum Publikum – es schien wie das aufrichtige Angebot einer ungewöhnlichen musikalischen Komplizenschaft. Auge in Auge mit dem Künstler, in dessen Mimik sich die Stimmungswechsel der Musik beredt spiegelten, waren die Zuhörer einladen, Bellucci beim Sturm auf die Gipfel hochvirtuoser Klavierliterarus zu begleiten.

Töne werden zu Emotionen.  Seine Meisterschaft zeigte der Italiener, dessen Einspielung von Liszts Transkriptionen der Opernarien Verdis und Bellinis in die Reihe de ,,zehn Lisztschen Werkes aller Zeiten ‘’ aufgenommen wurde, bereits in der Transkription des ,,Miserere’’ aus Verdi Oper ,,il Trovatore’’. Während die Bässe in düsterer Tiefe mit Wucht grollten, erhoben sich die molodiebögen zu kantabler Größe. Selbst im getragenen Tempospannten sich die Phrasen elastisch zue wwingenden Einheit.

Bellucci bewies außergewöhnliches dramaturgisches Gespür für die Welt der italienischen Oper und verblüffte mit seiner Kunst der Kolorierung, die orchestrale Klangfarben nachahmte. Getreu dem Vorbild des Belcanto deutete er auch Busonis Elegie Nr. 4 ,,Turandots Frauengemach’’. Trotz rauschhafter Intensität in den wirbelnden Begleitmotiven blieb  die Hoheit der Kantilene stets unangetastet.

Ebenso anrührend gesanglich gestaltete Bellucci Chopins ,,Souvenir de Paganini’’. Er ordnete die überreichen Verzierungen dem Melodieverllauf organisch unter. Wie Stromstöße peitschten die Akkorde dagegen durch Alkans ,,Trois études de bravoure’’ op.16. doch selbst in den expressiven Fortkaskaden benahrte der Pianist die nötige Elastizität. Sein lyrisch gefärbtes Piano ist genauso facettenreich – eine klangliche differenzierung, die auch Chopins Mazurken zugutekam. Bellucci stellte ihren pointierten Rhythmen entrückte Klangmomente gegenüber, in denen die Zeit stillzustehen schien. Liszts Bearbeitung von Chopins sechs ,,Polnischen Liedern’’ op.74 gestaltete er poetisch, die virtuose Version der Heroischen As-Dur Polonaise von Busoni sowie Liszts ,,Ungarische Rhapsodie’’ Nr. 12 dagegen feurig.

Es war ein Konzertabend, wie man ihn in Darmstadt lange nicht erlebt hat. Der vom Publikum umjubelte Pianist setzte mit dem ersten Satz aus beethoven 5. Sinfonie (in der Transkription von Liszt) einen fulminanten Schlusspunkt.

Silvia Adler
Darmstädt Echo, 24/02/2014
http://www.chopin-gesellschaft.de/500453937d0f78c08/539512a2df10d6601.html

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Wednesday, 27 January 2016 21:17

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